Sardinien 2015 – 08.05.

Cala Gonone – Monte Olinie

Der herrliche Sonnenschein weckt uns am Morgen. Stefans Erkältung hat sich in der Nacht nicht wirklich gelegt. Verschnupft mit dickem Kopf beginnen wir den Tag am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Schnell wird klar, dass Stefan heute keine Motorradtour fahren will. Wir trödeln beim Frühstück und viele Kaffees später beschließen wir, mal zu schauen, wie weit man zu Fuß Richtung Grotta del Bue Marino kommt.

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Östlichster Teil der Bucht.

Wir besichtigen den kleinen Hafen und folgen der Bucht in östlicher Richtung. Der Blick auf Cala Gonone ist perfekt. Irgendwann ist der Strand so felsig, dass wir mit unserem leichten Schuhwerk nicht wirklich weiterkommen. Wir verweilen kurz und wandern dann RichtungSüdost und wollen mal schauen, ob man die Grotta nicht auch zu Fuß erreichen können. Man kann natürlich nicht…

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Gelände- erkundung

Nachdem wir den Strandbereich verlassen haben, versuchen wir einen Weg durch ein Kieferwäldchen zu finden. Aber auch hier kommen wir nicht weiter und wir schlagen uns zu einer höher gelegen Straße durch. Dieser folgen wir Stadteinwärts. Es wird immer wärmer und Stefans Laune ist nicht die Beste. Heute motorradfahren schließt er kategorisch aus.

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Straßenbau auf italienisch.

Auch die extravagante Streckenführung des Fußweges bringt keine Besserung. Stefan beschließt den Rest des Tages seine Erkältung zu kurieren. Da mir das ein wenig zu langweilig ist, beschließe ich ein wenig zum schottern zu gehen und den Monte Olinie zu erklimmen. Eine kleine 150 km Tour mit Offroad Einlage. Dickie ist schnell gesattelt und zur Mittagszeit machen wir uns auf den Weg.

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Der unscheinbare Stein weist den Weg zum Gipfel.

Wir folgen der perfekt ausgebauten SS125 und nehmen dann sie SP 37 bis Talana. Ein in den Berg gebautes Dorf an der SP 37. Ich habe es nicht eilig und kann einige Bilder schießen ehe ich mich in einer wahren Kurvenorgie zum Fuße des Monte Olinie heraufschlängele. An der Straße  steht ein Schild der einen Wanderweg zum Gipfel ausweist. Nun, für einen Wanderweg ist er zu breit und außerdem betreibe ich ja wohl Motorradwandern. Im übrigen bin ich, abgesehen von einigen Pferden, muttterseelen allein.

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Der Weg ist das Ziel.

Ist der Weg anfangs von geteerter Feldwegqualität verwandelt er sich zusehends in einen Schotterweg. Noch alles ganz easy mit meiner Straßenbereifung befahrbar. Einige Kilometer weiter kommen bei mir die ersten Zweifel über mein Tun auf. Der Weg hat tiefe Auswaschungen, Schotter, Sand und grobes Geröll. Ganz zu schweigen das die Steigung stetig zunimmt. Da ich nicht über wirklich Offroad Erfahrung verfüge, muss ich ganz ordentlich arbeiten um die Fuhre voran zubringen. Anhalten ist nicht mehr drin, wenden schon gar nicht, also Augen zu und durch.

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Das Gatter läßt sich ohne Probleme öffnen.

Nach gefühlten Stunden versperrt ein Tor den Weg. Es lässt sich aber problemlos öffnen und wir befinden uns kurz vor unserem Ziel. Die letzten Haarnadelkurven erfordern nochmals Konzentration. Ich bin mir nicht sicher, ob der ADAC mich hier aufsammelt. Unangenehm ist allerdings mein Schuhwerk. Ich fahre mit „normalen“ Motorradstiefeln und die empfinde ich als sehr glatt.

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Selfie

Auf 1372 Metern ist die Aussicht phänomenal. Kein Mensch weit und breit und ich mache eine ausgiebige Pause und hänge meinen Gedanken nach. Bei der Suche auf die Antwort nach dem Sinn des Lebens bin ich hier und heute definitiv fündig geworden. Es ist einfach nur g**l. Ich nehme mir fest vor, Stefan auch hier rauf zu bringen. Ein Wasser und einen Müsliriegel weiter beschliesse ich noch einige Fotos zu schießen und dann den Rückweg anzutreten.

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Ehemalige Carabinieri Station bei Nuoro.

Der Abstieg gestaltet sich ähnlich interessant wie der Aufstieg. Das ABS habe ich mal vorsichtshalber abgeschaltet, da ich keine Lust auf eine Schussfahrt habe. Unbeschadet komme ich auf geteerte Wege zurück. Ich wende mich Richtung Nuoro zu. An einer Abzweigung fallen mir ein paar verfallene Häuser auf. Einem Impuls folgend beschließe ich mir die Siedlung genauer anzuschauen. Verfallene Zeitzeugen einer längst vergangenen Zeit. Die Häuser sind fast komplett entkernt. Auch vor einer kleinen Kirche hat der Verfall keinen Halt gemacht. Ich mache mir so meine Gedanken, schieße ein paar Fotos und fahre zurück Richtung Hotel.

Stefan hat die Zeit zur Krankenpflege genutzt. Hunger hat er jedenfalls und wir erkunden Cala Gonone und finden die beste Pizzeria der ganzen Tour. Offensichtlich ein kompletter Familienbetrieb. Die Kinder spielen in der Wirtstube, Mama und Tochter bedienen und die Küche ist bestimmt auch in Familienhand. Bei einer riesigen Pizza und Rotwein lassen wir den Tag ausklingen.

   Euer Itch